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Leistungsgrenzen und Abregelung

Eine Anlage wird durch drei verschiedene Leistungswerte beschrieben, und nur einer davon ist die Grenze, die tatsächlich ins Netz eingespeist werden darf. Diese Werte zu verwechseln ist der häufigste Grund dafür, dass eine gesunde Anlage wie eine unterperformende aussieht.

Die drei Leistungswerte

Alle drei stehen auf der Seite Stammdaten der Anlage, in der Leistungs-Karte.

WertWas er bedeutetÜbliche Größenordnung
DC-Spitzenleistung (Module)Die DC-Nennleistung des Modulfelds — die Summe dessen, was alle Module unter Standard-Testbedingungen liefern können.Der größte der drei Werte
AC-Spitzenleistung (Wechselrichter)Die kombinierte AC-Grenze der Wechselrichter — das Maximum, das die Anlage in Wechselstrom umwandeln kann.Meist unter der DC-Spitzenleistung
Netzanschlussgrenze (PAV,E)Das Maximum, das der Netzbetreiber am Netzanschlusspunkt akzeptiert.Die harte Obergrenze der Anlage

Die Karte zeigt zusätzlich das DC/AC-Verhältnis (DC-Spitzenleistung geteilt durch AC-Spitzenleistung). Ein Wert über 1 bedeutet, dass das Modulfeld gegenüber den Wechselrichtern bewusst überdimensioniert ist — eine übliche Auslegung, die etwas Kappung zur Mittagszeit gegen mehr Ertrag am Morgen, am Abend und im Winter eintauscht.

Welcher Wert ist die Obergrenze?

Der niedrigere der beiden konfigurierten Werte aus AC-Spitzenleistung und Netzanschlussgrenze. Eine Anlage mit 83 MWp Modulen, 63 MW Wechselrichtern und einem 58-MW-Netzanschluss kann nie mehr als 58 MW einspeisen — und 52 MW an einem guten Tag bedeuten rund 90 % dessen, was sie liefern darf, nicht 63 % ihrer Nennleistung.

Derselbe Wert unter anderen Namen

Die Netzanschlussgrenze ist der Wert, nach dem am häufigsten gefragt wird — je nach Dokument trägt er unterschiedliche Namen:

BezeichnungBedeutung
Netzanschlussgrenze, NetzanschlussleistungGrenze bzw. Leistung des Netzanschlusses
Einspeisebegrenzung, EinspeisegrenzeBegrenzung der Einspeisung
Vereinbarte EinspeiseleistungMit dem Netzbetreiber vereinbarte Einspeiseleistung
PAV,E (auch PAV,E oder P_AV,E geschrieben)In den Netzanschlussregeln (VDE-AR-N 4105 für Niederspannung, VDE-AR-N 4110 für Mittelspannung) die mit dem Netzbetreiber vereinbarte Wirkleistung für die Einspeisung am Netzanschlusspunkt

Alle meinen dasselbe, und in Mirox werden sie alle im Feld Netzanschlussgrenze hinterlegt. Der Wert stammt aus dem Netzanschlussvertrag oder der Einspeisezusage — er ist eine vertragliche Größe und kein Messwert der Anlage. Die Plattform kennt ihn also erst, wenn er eingetragen wurde.

Wenn der Wert fehlt

Ohne Netzanschlussgrenze und ohne AC-Spitzenleistung hat die Plattform keine Einspeise-Obergrenze: Die Erwartungskurven werden ungekappt gerechnet (und liegen damit zu hoch, sobald die Anlage real kappen würde), und eine anlagenweite Abregelung lässt sich gar nicht beziffern. Das Setzen beider Grenzen gehört zum Onboarding einer Anlage.

Warum eine Anlage ihre Spitzenleistung nie erreicht

Auch ganz ohne Begrenzung ist die DC-Nennleistung ein Laborwert — sie unterstellt volle Standard-Einstrahlung auf allen Modulen gleichzeitig, bei einer Modultemperatur, die kein realer Sommertag liefert. Reale Anlagen liegen im Maximum deutlich darunter. Dazu kommen, in dieser Reihenfolge:

  1. Wechselrichter-Kappung — Leistung oberhalb der AC-Grenze wird schlicht nicht umgewandelt.
  2. Die Netzanschlussgrenze — Leistung darüber darf nicht eingespeist werden.
  3. Abregelung — eine zeitweise Reduzierung durch Netzbetreiber oder Vermarkter, zusätzlich zu allem oben Genannten.

Eine Kurve, die auf einem konstanten Wert abflacht, ist deshalb in der Regel kein Fehler. Der Vergleich gehört gegen die Obergrenze, nicht gegen die Nennleistung.

Abregelung

Abregelung ist Produktion, an deren Lieferung Sie bewusst gehindert wurden. Mirox erfasst sie getrennt von Komponentenverlusten und ordnet sie der verantwortlichen Partei zu:

  • Abregelung durch das Netz — der Netzbetreiber hat die Anlage reduziert, typischerweise Einspeisemanagement bei Netzengpässen.
  • Abregelung durch den Vermarkter — Ihr Direktvermarkter oder Händler hat die Anlage reduziert, typischerweise bei negativen Marktpreisen.

Wie eine Reduzierung erkannt wird

Die Anlage meldet ihren Wirkleistungs-Sollwert als Prozentwert. Dieser Prozentwert bezieht sich auf die Netzanschlussgrenze der Anlage — oder auf die AC-Spitzenleistung, wenn keine Netzanschlussgrenze konfiguriert ist. Bei einer Anlage mit 58 MW Netzanschluss bedeutet ein Sollwert von 60 % also eine Begrenzung auf rund 35 MW.

Ein Sollwert zählt erst dann als Abregelung, wenn er tatsächlich greift: Er muss unter rund 85 % dieses Referenzwerts liegen. Diese Schwelle verhindert, dass normales Regelrauschen und dauerhaft gesetzte kleinere Reduzierungen täglich als Verlust gebucht werden. Lässt sich überhaupt kein Referenzwert auflösen, wird nur ein nahezu vollständiger Stillstand erkannt.

Die während einer Reduzierung entgangene Energie wird minutenweise der verantwortlichen Partei zugeordnet. Eine völlig gesunde Anlage, die zum Drosseln aufgefordert wurde, wird dadurch nie als defekt ausgewiesen. Wie diese Energie in die Performance Ratio eingeht, beschreibt die Verlusterkennung.

Die Kurve „Leistungslimit" richtig lesen

In den Diagrammen und Rohmetriken finden Sie eine Reihe Leistungslimit neben den parteibezogenen Reihen (Leistungslimit durch Netz, Leistungslimit durch Extern, Leistungslimit durch Lokal).

Das Leistungslimit ist nicht die Einspeise-Obergrenze

Die Reihe bildet die Sollwert-Prozente bezogen auf die DC-Nennleistung ab. Ihr unbegrenzter Ausgangswert ist deshalb die DC-Spitzenleistung: Ein Wert in Höhe der DC-Spitzenleistung bedeutet, dass keine Reduzierung aktiv ist — nicht, dass die Anlage so viel einspeisen dürfte. Die tatsächliche Obergrenze ist die Netzanschlussgrenze in den Stammdaten.

Wo Sie diese Werte finden und setzen

Öffnen Sie eine Anlage und gehen Sie auf ihre Seite Stammdaten — die Leistungs-Karte zeigt alle drei Werte samt DC/AC-Verhältnis, und im Stammdaten-Formular werden sie gesetzt. In Mirox öffnen — wählen Sie Ihre Anlage unter Ihre Anlagen und dann Stammdaten.

Eine Änderung an einer der beiden Grenzen löst ein erneutes Ausrollen des Anlagen-Agenten aus, sodass der neue Wert innerhalb weniger Minuten in die Abregelungsrechnung eingeht.

Verwandte Funktionen

  • Verlusterkennung — wie Abregelung von echten Komponentenverlusten getrennt wird
  • Digitaler Zwilling — das Erwartungsmodell, das diese Grenzen kappen
  • Diagramm-Visualisierung — wo Leistungs- und Limitkurven dargestellt werden
  • Anlagen-Onboarding — der Schritt, in dem diese Werte erstmals eingetragen werden
  • Data Scraper — der Edge-Agent, der die Abregelungsrechnung durchführt
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